Berlin, 27. November 2025 – Die deutschen Einzelhändler stellen sich auf eine ungewöhnlich schwierige Black Friday Saison ein. Eine neue gemeinsame Analyse der Unternehmensberatung Kearney und des Spezialisten für künstliche Preisgestaltung 7Learnings zeigt, dass die jüngsten US-Zollerhöhungen auf asiatische Importe erhebliche Mengen an Waren nach Europa umleiten. Das Ergebnis: ein geschätztes zusätzliches Angebot von 11%, das den europäischen Markt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt für den Einzelhandel überschwemmt.
Um überschüssige Bestände abzubauen, werden die Einzelhändler noch aggressivere Rabatte gewähren und die Aktionszeiträume verlängern müssen. Nach modellbasierten Berechnungen von Kearney und 7Learnings werden diese verstärkten Preisnachlässe zu einem zusätzlichen Gewinnrückgang von etwa 144 Millionen Euro während des Black Friday führen. Mode und Unterhaltungselektronik werden die größten Auswirkungen haben und zusammen mehr als 106 Millionen Euro der Verluste ausmachen.
Insgesamt erwarten die Analysten für die Schwarze Woche in Deutschland einen Umsatz von 23 Milliarden Euro und einen Gewinn von 2,4 Milliarden Euro, wobei sich die Rentabilität im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. Die Ergebnisse verdeutlichen den zunehmenden Preis- und Kostendruck, unter dem der Einzelhandel steht.
Experten-Kommentar
Moritz Tybus, Partner bei Kearney:
„Ein Überangebot von 11 Prozent verändert das gesamte Preisgefüge. Die Einzelhändler müssen Aktionen früher starten und größere Rabatte gewähren, um vergleichbare Umsätze wie im Vorjahr zu erzielen. Das drückt die Margen in einer ohnehin schon angespannten Ertragslage.“
Felix Hoffmann, CEO von 7Learnings:
„Unsere KI-Modelle zeigen, dass Einzelhändler selbst unter enormem Preisdruck profitabel bleiben können, aber nur, wenn Preisgestaltung, Marketingbudgets und Lagerbestände gemeinsam optimiert werden. Koordinierte Entscheidungsfindung, nicht isolierte Preissenkungen, schafft den wahren Hebel.“
Globale Handelsverschiebungen und zunehmender Wettbewerb
Der verstärkte Druck kommt nicht nur aus dem Inland. Aufgrund des Endes der US-De-Minimis-Regelung für Sendungen unter 800 $ und der steigenden Section 301-Zölle verlagern viele asiatische Exporteure ihren Schwerpunkt zunehmend nach Europa. Gleichzeitig expandieren Plattformen wie Temu und Shein weiterhin aggressiv in der EU mit niedrigen Preisen und hochfrequentem Marketing.
Die Europäische Union hat Maßnahmen angekündigt, darunter eine geplante Zustellgebühr von 2 € für kleine Sendungen aus Drittländern. Dies wird jedoch nicht rechtzeitig in Kraft treten, um die Welle zusätzlicher Pakete zu bremsen, die in Europa ankommen, viele davon gerade rechtzeitig zum Black Friday.
Werbeausgaben verstärken die Preisspirale nach unten
Parallel dazu ist der Druck auf das Marketing stark angestiegen. Temu und Shein haben ihre Ausgaben für digitale Werbung in ganz Mitteleuropa seit dem Frühjahr 2025 um etwa 30% pro Monat erhöht. In einigen Märkten liegen die Steigerungen im Vergleich zum Vorjahr bei über 100%. Rund um den Singles‘ Day und den Black Friday haben die Kampagnenvolumina Rekordhöhen erreicht, oft begleitet von hohen Einführungsrabatten und kostenlosem Versand.
Dieses aggressive Wettbewerbsumfeld zwingt die lokalen Einzelhändler dazu, ihre eigenen Werbeaktionen zu verstärken, was zu dem erwarteten Rückgang der Rentabilität beiträgt.
Dr. Robin Bachmann, Wirtschaftspsychologe, FU Berlin:
„Der Black Friday hat sich zu einem sozialen Ritual entwickelt. Viele Verbraucher kaufen jetzt einfach, weil alle anderen auch kaufen – nicht weil die Rabatte besonders hoch sind. Das psychologische Momentum verstärkt den Werbewettlauf, selbst wenn die Gewinnspannen dünn sind.“
KI-gestützte Modellierung hinter der Analyse
Für diese Studie haben Kearney und 7Learnings Import- und Marktdaten mit KI-basierten Elastizitäts- und Preismodellen kombiniert. Das Szenario simuliert die Auswirkungen der umgeleiteten asiatischen Handelsströme auf die europäischen Einzelhandelsmärkte und quantifiziert die Auswirkungen auf Kategorien wie Mode und Unterhaltungselektronik.
Das Modell berücksichtigt reale Daten zur Preisentwicklung, zur Werbeintensität und zur Bestandsdynamik in Deutschland und in der EU. Es ermöglicht detaillierte Einblicke, z. B. die Schätzung, wie viel tiefer die Rabatte sein müssen oder wie viele zusätzliche Tage die Einzelhändler benötigen, um ihre Werbeaktionen zu verlängern.
Über Kearney
Kearney ist eine der weltweit führenden Unternehmensberatungsfirmen. Seit fast 100 Jahren schenken uns Führungskräfte, Regierungsbehörden und gemeinnützige Organisationen ihr Vertrauen. Unser Erfolgsrezept, um unseren Kunden zum Durchbruch zu verhelfen? Unsere Mitarbeiter, mit ihren individuellen Interessen und Stärken. Und unser Antrieb, große Ideen nicht nur zu Papier zu bringen, sondern sie auch umzusetzen.
Über 7Learnings
7Learnings bietet eine KI-gestützte Plattform zur Einzelhandelsoptimierung für B2C-Unternehmen und leistet damit Pionierarbeit bei der übergreifenden Optimierung von Preisgestaltung, Performance Marketing und Produktbestellung. Mit dem maschinellen Lernalgorithmus von 7Learnings können Einzelhändler und Marken die Auswirkungen von Preisentscheidungen vorhersagen, den optimalen Preis für alle Produkte ermitteln und die manuelle Arbeit um bis zu 80 Prozent reduzieren. Die Lösung wurde in zahlreichen A/B-Experimenten eingehend getestet und liefert durchweg messbare Leistungsverbesserungen und Gewinnsteigerungen von mehr als zehn Prozent.
7Learnings wurde 2019 von Felix Hoffmann, Eiko van Hettinga und Martin Nowak in Berlin gegründet. Zu seinen Kunden gehören internationale Unternehmen wie Westwing, Bonprix, Tom Tailor, Tamaris und DK Company.