Berücksichtigung von Lagerbeständen im Pricing: Wie es funktioniert und was man dabei beachten muss

Für viele Einzelhändler spielt der Lagerbestand eine wichtige Rolle bei der Festlegung der Artikelpreise. Für einige Einzelhändler, wie z. B. Apotheken, die Produkte leicht nachbestellen können, stellt der Bestand keine große Einschränkung dar. Doch andere Einzelhändler, die in Bereichen wie der Modebranche tätig sind, müssen ihre Produkte im Voraus bestellen und unterliegen Lieferzeiten von Wochen oder sogar Monaten, so dass sie nur eine begrenzte Anzahl von Artikeln auf Lager haben können. In diesem Fall wird der Lagerbestand zu einem kritischen Faktor für optimale Preisentscheidungen.

Aus diesem Grund ist es für einen Großteil der Einzelhändler empfehlenswert, ein Preissystem einzurichten, das schnell auf Bestandsänderungen reagieren kann. Durch plötzliche Unterbrechungen der Lieferketten oder einem Nachfrageschub für bestimmte Produkte, wie z. B. während der Corona-Pandemie, können Lagerbestände zu einem kritischen Faktor bei der Preisgestaltung werden. Hier kommt die bestandsbasierte Preisgestaltung ins Spiel, die wir im folgenden Artikel näher beleuchten und erklären,wie man sie effektiv einsetzt.

Was ist bestandsbasierte Preisgestaltung?

Die Lagerbestandsbasierte Preisgestaltung oder Inventory-based Pricing ist eine Form der dynamischen Preisgestaltung, bei der die Preise in Abhängigkeit von aktuellen bzw. prognostizierten Lagerbeständen angepasst werden. Während viele Faktoren den Preis eines Artikels bestimmen, wie z.B. Saisonalität, Wochentag, Preis des Wettbewerbs usw., ist die tatsächliche Menge eines bestimmten Produkts, welches Sie auf Lager haben, extrem wichtig für die erfolgreiche Preisberechnung. 

Die Bedingungen, die zur Preisbestimmung beitragen, können sich schnell ändern, insbesondere wenn der Bestand Schwankungen unterliegt. Als Beispiel betrachten wir einen Einzelhändler, der zu Beginn der Woche einen vollen Lagerbestand eines bestimmten Artikels vorweist. Da in diesem Fall mehr Artikel verfügbar sind als nötig, um die Marktnachfrage zu befriedigen, kann es von Vorteil für den Einzelhändler sein den Preis für diesen Artikel zu senken. Mit sinkendem Lagerbestand müssen die Preise jedoch wieder steigen, um zu vermeiden, dass der Einzelhändler seinen gesamten Bestand verkauft und Artikel nicht mehr lieferfähig sind, obwohl weiterhin Nachfrage besteht. Steigt der Lagerbestand wieder, können auch die Preise wieder sinken usw.. Kurz gesagt, der Preis von Artikeln wird zumindest teilweise durch den aktuellen Lagerbestand bestimmt. 

Wie funktioniert das?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Preise auf der Grundlage des aktuellen Lagerbestands zu bestimmen, je nachdem, was Sie zum aktuellen Zeitpunkt erreichen wollen. Im Folgenden finden Sie die gängigsten Strategien zur Preisfestlegung auf Basis des Lagerbestands:

 

  • Preise senken, wenn der Bestand hoch ist: Wenn Sie Artikel am Ende der Saison schnell abverkaufen oder die Markenbekanntheit durch wettbewerbsfähige Preise erhöhen wollen, könnte es von Vorteil sein, niedrige Preise zu implementieren, wenn der Bestand hoch ist, um so die Lager zu leeren und entsprechende Kosten einzusparen.

 

  • Erhöhen Sie die Preise, wenn der Bestand niedrig ist: Wenn Ihr Lagerbestand knapp wird, können Sie die Preise anheben, um zu vermeiden, dass Ihnen die Waren ausgehen und so Ihre Gewinnspanne erhöhen, wenn das Angebot knapp ist. Dies gilt vor allem dann, wenn die Nachfrage hoch ist und andere Faktoren wie Logistik und Versorgung unsicher bleiben. 

 

  • Preise senken, wenn der Lagerbestand niedrig ist: Wenn es sicher ist, dass saisonale oder ältere Artikel ausgemustert werden müssen, um Platz für neue Bestände zu schaffen, sollten Sie eine Preissenkung in Betracht ziehen, um den Verkauf zu fördern. 

 

  • Bleiben Sie bei Ihrem Standardpreis, wenn der Lagerbestand hoch ist: Manchmal ist es die beste Strategie, die Preise konstant zu halten. Wenn die Zuversicht groß ist, dass die Artikel schnell abverkauft werden, kann es besser sein, die Gewinnspanne hoch zu halten, als mit niedrigeren Preisen zu experimentieren. 

Schon gewusst?

Laut Business Insider ändert Amazon seine Preise 2,5 Millionen Mal pro Tag. Das ist im Durchschnitt eine Preisänderung alle zehn Minuten! Der Lagerbestand ist nur ein Aspekt des riesigen Datensatzes, der zu diesen Änderungen beiträgt und Amazon hilft, seine Gewinne um ganze 25 % zu steigern.

Was sind die Vorteile einer bestandsbasierten Preisgestaltung?

Wie bereits erwähnt, sind Pricing-Lösungen, die agil auf Lagerbestände reagieren, ein wichtiger Teil jedes effektiven Online-Handelsgeschäfts. Die auf Lagerbeständen basierende Preisgestaltung sorgt dafür, dass Einzelhändler den Überblick behalten, ihre Gewinne steigern und sicherstellen, dass sie der Konkurrenz immer einen Schritt voraus sind.  

Wie uns die Corona-Krise gezeigt hat, können Probleme in der Lieferkette in Kombination mit einem Anstieg der Online-Verkäufe erhebliche Auswirkungen für Omnichannel-Händler haben. Artikel, die früher leicht zu bekommen waren, können plötzlich sehr gefragt sein und die Preise in die Höhe treiben. Zusätzlich kann es passieren, dass Fabriken oder Logistikdienstleister nicht mit voller Kapazität arbeiten können. Dies wirkt sich darauf aus wie schnell der Lagerbestand eines Einzelhändlers aufgefüllt oder ausgeliefert werden kann. All dies unterstreicht die Notwendigkeit, die Lagerbestände aktiv in die Preisgestaltung einzubeziehen, um schnell reagieren zu können, wenn sich die äußeren Umstände ändern.

Für Einzelhändler, die mit begrenzten Lagerbeständen arbeiten, ist eine bestandsbasierte Preisgestaltung umso wichtiger, um den Gewinn zu maximieren und den rechtzeitigen Abverkauf saisonaler Produkte sicherzustellen. Hier sind die Preise ein wichtiger Parameter, um die Nachfrage nach jedem einzelnen Artikel zu steuern. Einzelhändler machen oft den Fehler, mit Rabatten zu lange zu warten, was letztendlich zu hohen Lagerbeständen am Ende der Saison führt, die dann zu niedrigeren Preisen abverkauft werden müssen. Dies hat folglich einen negativen Einfluss auf den Gewinn.

Wie man bestandsbasierte Preisgestaltung implementiert?

Die Preisgestaltung ist ebenso komplex wie wichtig, und wenn es darum geht, eine bestandsbasierte Preisgestaltung zu implementieren, gibt es mehrere Faktoren zu berücksichtigen. Welche Preisstrategie wird verfolgt? Welche Art von Technologie setzen Sie ein? Was sind die anderen Faktoren, die Ihre Preisgestaltung bestimmen? All dies und mehr wird Ihren Ansatz bestimmen.

Einzelhändler haben im Allgemeinen zwei Möglichkeiten, wenn sie eine bestandsbasierte Preisgestaltung implementieren: 

  • Ein regelbasiertes Preissystem, bei dem die Pricing-Logik manuell festgelegt wird
  • Ein algorithmusbasiertes System, das auf maschinellem Lernen basiert

Wenn es um den Online-Handel geht, ist ein Ansatz mit maschinellem Lernen fast vollständig automatisiert, was zur Folge hat, dass er Preise auf einer graduellen Ebene berechnen und schneller reagieren kann als ein konventioneller Ansatz. Mit einem regelbasierten Preissystem sind Einzelhändler gezwungen, Preisregeln manuell festzulegen und ständig den Lagerbestand und andere sich ändernde Bedingungen zu überwachen, was Zeit und wertvolle Ressourcen verschwendet. Mit maschinell lernender Software können sich Einzelhändler auf intelligente Algorithmen verlassen, um die KPIs zu maximieren. 

Mit automatisierter Preissetzungssoftware hat der Einzelhändler die vollständige Kontrolle über seinen Bestand und kann Strategien umsetzen, die seine Geschäftsziele fördern.

Mit einem solchen auf Algorithmen basierenden System können Einzelhändler eine Vielzahl von Taktiken umsetzen, z. B.:

  • Zuweisung einer bestimmten Menge ihres Lagerbestands, die in einer bestimmten Zeitspanne abverkauft werden soll
  • Definition einer Abverkaufsrate als Ziel 
  • Automatisches Verbinden von Daten aus der Supply-Chain-Abteilung (z.B. Lagerprognosen) mit dem Pricing-lgorithmus

Dieser Ansatz ermöglicht es Einzelhändlern nicht nur, ihre Preise automatisch an veränderte Bedingungen anzupassen, sondern verschafft ihnen auch den nötigen Freiraum, um sich auf wichtigere Aspekte ihres Geschäfts zu konzentrieren. Ein weiterer Vorteil ist, dass auf maschinellem Lernen basierende Lösungen oft „Nachfrageprognosen“ als zusätzliche Funktion liefern. Diese Prognosen können Einzelhändlern helfen, ihre Lagerbestände und Nachbestellungen effektiver zu verwalten. All dies führt zu höheren Umsätzen und Gewinnen.

Wie kann 7Learnings bei der dynamischen Preisgestaltung helfen?

Wenn es darum geht, Preise festzulegen, die alle Faktoren wie Lagerbestand, Saisonalität, Wettbewerb und mehr berücksichtigen, hat 7Learnings die Lösung für Sie. Mit unserer Software für dynamische Preisgestaltung haben wir einigen der führenden Online-Händler in Europa geholfen, ihre Preisgestaltungsprozesse durch maschinelles Lernen zu verbessern. Bestandsbasierte Preisgestaltung ist komplex, und unsere Softwarelösung hilft Ihnen, schnell auf alle Änderungen zu reagieren. Wenn Sie mehr über das Potenzial der dynamischen Preisgestaltung der nächsten Generation erfahren möchten, melden Sie sich noch heute für eine Demo an. 

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn